about understanding

2018-03-15T16:03:01+00:00 9 August, 2016|2016, Tonga, Vava'u Group|

Die Kinder sind scheu, trauen sich kaum zu uns. Sie lächeln, wir auch. Doch kein übermütiges rumtollen. Auch mit den Erwachsenen ist es oft rätselhaft. „Nach rechts? – fragen wir jemanden. „Ja“ – „Oder nach links?“ – „Ja“. Hmm, wollen sie vielleicht, dass wir da gar nicht hingehen?

Zu sehen ist viel Armut, trotz dem paradiesischen Umfeld. Die medizinische Versorgung ist prekär. Besser man bleibt gesund hier. Hilfsprojekte aus Amerika, Australien bauen einfachste Primarschulen. Unterschiedlichste Religionen Kirchen, wunderlicherweise oft das bestgebaute Gebäude des Dorfs.

Männer tragen Röcke, Frauen unförmige, sperrige Matten. Wir probieren cava, das Nationalgetränk. Betäubt die Zunge, schmeckt wie abgestandenes Abwaschwasser. Hat definitiv nichts mit der katalanischen Version zu tun. Schauen auch Ihrem traditionellen Tanz zu, irritiert ab dem Brauch des Publikums den Tänzern Banknoten auf den eingeölten Körper zu kleben. Die kulturelle Distanz scheint unüberwindbarer zu sein als die sprachliche.

Am Sonntag steht das Leben still. Tag der Familie und der Religion. Beim Kirchbesuch in Neiafu erscheinen alle herausgeputzt. Arme und Beine züchtig bedeckt. Unglaublich, wie die Gemeinde inbrünstig im vielstimmigen Chor singt. Meine Schwester Susanne und ihr Winterthurer Kirchenchor würde vor Neid erblassen. Doch, es ist nicht die lebensfrohe Musik mit Ukulele und Bongos wie in den Marquesas. Schwere, von Schuld triefende Kirchenmusik. Und doch sind es auch Polynesier.

Das Business ist in der Hand der Expats. Eine Gesellschaft in der Gesellschaft. Die Lebensmittelgeschäfte betreiben die Chinesen. Die Restaurants und die auf kleinen Paradiesinseln verstreuten Hotels die Australier, Deutschen, Schweizer, Amerikanern. Die Charterfirma von Sunsail ebenso. Sie alle zusammen betreiben auch die morgendliche Funkrunde auf VHF. So weiss man was läuft und bleibt unter sich. Natürlich besuchen wir auch das Restaurant „La Paella“, von Eduardo und Pilar seit 30 Jahren betrieben. Spanische Weltumsegler, die hier ihre definitive Bleibe aufgebaut haben.

An die Agriculture Show, so eine Art Schweizer Olma auf tonganesich, kommt der König Tongas. Ein richtiger König! Natürlich wollen auch wir Ihn sehen, so wie fast alle Bewohner Neiafu’s. Würdevoll, dicklich, sitzt er unter dem Zeltdach, begleitet von seiner ebenso rundlichen Frau. Das Sicherheitsdispositiv ist wohltuend inexistent, denn alle haben grossen Respekt vor ihm. So hören wir endlose Reden von verschiedensten Repräsentanten, auf tonganesich. Endlich hält dann auch seine Majestät eine kurze Ansprache und schreitet würdevoll die Ausstellung ab. Taro, Papaya, Tomaten, Limonen, Fische, Muscheln, Schildkröten. Wir lernen; Tonganeser sind Selbstversorger. Geld ist nicht so wichtig.

Auf der Mole des Dorfs Vakataumai sitzt ein Gruppe Männer, umgeben von Taros und Bananen in Körben aus Bananenstauden. Irgendwann soll ein kleines Boot sie zum Markt in Neiafu bringen. Wir setzen uns dazu, wir haben ja nichts spezielles zu tun. Und da ist sie wieder, diese ach so polynesische Eigenschaft: man hat Zeit. Langsam, zaghaft öffnen sie ihre Seele. Zu uns so fremden Menschen, mit ihren teuren Schiffen da draussen in der Bucht. Geben uns wieder dieses wunderschöne Gefühl willkommen zu sein.

 

2 Comments

  1. Dieti Geilinger Dienstag, der 16. August 2016 um 09:43 Uhr - Antworten

    Liebe Ima und Hans
    Wieder einmal im Spital – grosse Prostata OP gestern – schaue ich Eure guten Berichte an! Ist eigentlich Europa das Endziel, allenfalls der Untersee? Eine gute Weiterreise und herzliche Grüsse
    Dieti

  2. kika Dienstag, der 23. August 2016 um 19:54 Uhr - Antworten

    Como me encanta recibir vuestros relatos de los distintos sitios donde vais pasando y este reportaje fotográfico.
    Un beso muy grande paara los dos.
    PD. Veo que os estais aficionando a ir por las iglesias.

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