{"id":17176,"date":"2013-04-03T12:41:00","date_gmt":"2013-04-03T12:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuvalubarcelona.es\/reiseziele-5-wie-schnell-wir-reisen\/"},"modified":"2013-04-03T12:41:00","modified_gmt":"2013-04-03T12:41:00","slug":"reiseziele-5-wie-schnell-wir-reisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuvalubarcelona.es\/de\/reiseziele-5-wie-schnell-wir-reisen\/","title":{"rendered":"Reiseziele 5 – wie schnell wir reisen"},"content":{"rendered":"
Vor drei Jahren haben wir in Griechenland die spanischen Weltumsegler Miquel und Dora von der OCEANOVI kennengelernt. Da haben wir zum ersten Mal geahnt um was es bei der Formulierung des Reisezieles wohl gehen k\u00f6nnte. Wissensbegierig fragten wir was sie denn \u201cdas n\u00e4chste Mal\u201d anders machen w\u00fcrden. \u201cWir w\u00fcrden uns mehr Zeit nehmen\u201d war die Antwort. Es war das Jahr 13 ihrer Weltumseglung.<\/p>\n
Trotzdem fuhren wir in unserem ersten Segeljahr noch quasi im Schnellzug. Die klassische \u201eBarfuss-Route\u201c f\u00fchrte uns via Kanaren in die West Indies. Westafrika, Kapverdische Inseln und Brasilien liessen wir unbedacht aus. Doch in Trinidad haben wir dann abgebremst. Anstelle dem schnellen Durchsegeln nach Panama sind wir nun nach Kuba abgeschwenkt. In die Nebenstrasse eingebogen, um zu sehen was es da sonst noch so gibt. Uff, und wirklich: Zuerst Haiti, und jetzt Kuba hinterlassen tiefe Eindr\u00fccke.<\/p>\n
Vielleicht verhalten wir uns nun eher wie John Ruskin, der 1871 schrieb: \u201cEin mit hundert Meilen pro Stunde vorgenommener Ortswechsel macht uns kein Jota besser, gl\u00fccklicher oder gescheiter. Die Welt enth\u00e4lt immer mehr, als der Mensch sehen kann, und ginge er auch noch so langsam; er wird sie nicht besser erkennen, wenn er schnell geht. Die wirklich kostbaren Dinge sind Reflexion und Anschauung, nicht Geschwindigkeit. Es tut einer Kugel nicht gut, wenn sie sich schnell fortbewegt, und es schadet einem Menschen nicht, wenn er wirklich ein Mensch ist, sich langsam fortzubewegen, denn nicht die Bewegung zeichnet ihn aus, sondern das sein.\u201d<\/p>\n
Vielleicht gef\u00e4llt mir als ehemaliger beruflich bedingter Vielflieger das Segeln so, weil es eine fast unanst\u00e4ndig langsame Art des Reisens ist. Im Zeitalter von Airbus und TGV bewegt sich der Segler mit Pferdekutschen – Geschwindigkeit. Der Vielflieger hingegen w\u00fcrde sich am liebsten von einem Ort zum andern beamen. Er hasst jegliche Versp\u00e4tungen und Ablenkungen. Egal ob da Alpengl\u00fchen, Sonnenunterg\u00e4nge oder andere Katastrophen stattfinden; man sitzt aisled und nicht window. Dasselbe Taxi, dasselbe Gate, derselbe Sitzplatz, dieselbe Stewardess, dasselbe Hotel. The same procedure as every year. Unplanm\u00e4ssiges ist Horror. Als Segler jedoch das Programm.<\/p>\n
Drei Monate f\u00fcr 600 Meilen S\u00fcdk\u00fcste Kuba ist ja nun wirklich nicht gerade schnell. Andere segeln das locker in einem zweiw\u00f6chigen Charter. Doch um ein so komplexes, andersartiges Land wie Kuba zu verstehen nat\u00fcrlich immer noch viel zu fl\u00fcchtig. Unser Plan erlaubt aber immerhin Unplanm\u00e4ssiges: Der Hafenkapit\u00e4n singt Boleros vor seiner geschiedenen Frau, wir steigen Nachts auf Leuchtt\u00fcrme, tauchen zu den Seesternen, tr\u00e4umen von Jogurts und lassen Fidel in der Schweinebucht fischen.<\/p>\n
Im ersten Blog der Miniserie habe ich davon geschrieben, dass schliesslich schon Kolumbus nach Indien wollte. Vielleicht liegt im m\u00f6glichen Scheitern die eigentliche Essenz des Weltmseglerdaseins. Wie langweilige w\u00e4re es doch, wenn wir einfach in wenigen Monaten um die Welt sausen w\u00fcrden. Ohne St\u00fcrme, Str\u00f6mungen, Wellen, ohne Immigrationsbeamten, ohne Falschverstandenes und Gutgemeintes. Paul Valery sagte es so: \u201eDer Wind erhebt sich! … Leben: Ich versuche es!\u201c.<\/p>\n
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