{"id":17156,"date":"2013-01-29T01:36:00","date_gmt":"2013-01-29T01:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuvalubarcelona.es\/poor\/"},"modified":"2013-01-29T01:36:00","modified_gmt":"2013-01-29T01:36:00","slug":"poor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuvalubarcelona.es\/de\/poor\/","title":{"rendered":"poor"},"content":{"rendered":"

Unser letzter Zwischenstopp vor Santiago de Cuba war die Insel Ille de Vache. Hier haben wir die bis anhin wohl eindr\u00fccklichsten Tage unserer bisherigen Reise verbracht. Denn Armut ist kein abstrakter Begriff.<\/p>\n

Arm sein heisst beispielsweise keine Schuhe zu haben um in die eine Stunde entfernte Schule zu laufen, und ohne sie darf man nicht in die Schule. Eine arme Schule hat Klassengr\u00f6ssen von hundert Sch\u00fclern. Arm sein heisst mal zwei Tage lang nichts essen – und vielleicht am dritten Tag etwas Reis vom Nachbar zu bekommen. Oder kein Geld zu haben um den Arzt, das Spital, die Medikamente zu bezahlen – und vielleicht dann sterben. Oder jahrelang in einem Zelt einer ONG zu leben…..<\/p>\n

Das Leben ist hart in einem Land wie Haiti. Gebeutelt durch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Hurrikane lebt die Bev\u00f6lkerung am oder unter der Hungergrenze. Cholera und andere Seuchen sind Alltag. Aber auch die v\u00f6llige Absenz des (Sozial-) Staates. Ohne Geld bleibst Du dumm und stirbst wenn Du krank wirst. Das ist die harte Realit\u00e4t.<\/p>\n

Stunde um Stunde tauchen wir tiefer in die Kultur dieser Insel ein. Als einzige Yacht liegen wir in der perfekt ruhigen Bucht. Mit \u201eCarma\u201c, den wir als guide anheuern, machen wir eine ausgedehnt Dorfbesichtigung. Sogar zu einer Beerdigung werden wir eingeladen. Das Dorf liegt locker gegliedert im Palmenwald, gr\u00fcne Rasenfl\u00e4chen um die bescheidenen H\u00e4user. Wir interessieren uns f\u00fcr die hygienischen Verh\u00e4ltnisse: jeder hat sein eigenes Plumpsklo. Der Abfall wird dezentral vergraben. Das Trinkwasser wird in grossen K\u00fcbeln beim einzigen Brunnen im Dorf geholt. Nachts ist die Bucht dunkel, obwohl 500 Personen im Dorf leben. Denn auf der Insel gibt es weder Autos noch Elektrizit\u00e4t. Aber, oh Wunder: Mobiltelefone. Deren Batterien k\u00f6nnen an einer solarbetriebenen Ladestation geladen werden…<\/p>\n

Zusammen mit zwanzig schwarzen Frauen fahren wir mit einem lokalen Segelschiff \u2013 die \u201eF\u00e4hre\u201c \u2013 zum Wochenmarkt im benachbarten Dorf. Lebende H\u00fchner, Schafsk\u00f6pfe, gebrauchte Schuhe, Seeschlangen, undefinierbare farbige Pillen in K\u00f6rben – ein farbenfrohes Chaos. Dort besichtigen wir auch das Waisenheim von Madame Flora. Wir sind zu tiefst ber\u00fchrt. Ihr werden aus ganz Haiti verwaiste Kindern gebracht, oftmals nahe am Hungertod, oder mit Krankheiten wie Epilepsie, Kinderl\u00e4hmungen, Tuberkulose. Denn Erfolg ihrer selbstlosen Arbeit sehen wir in der dazugeh\u00f6rigen Schule. So viele strahlende Kinder als wir Luftballons verteilen.<\/p>\n

Trotz aller Armut: Die Kinder lachen viel hier, alle gr\u00fcssen uns freundlich, alle kennen Bar\u00e7a und Messi. Wir haben fast dauernd interessante Gespr\u00e4che \u00fcber die f\u00fcr uns so fremde Welt. \u201eCarma\u201c sagt, er sei trotz allen Katastrophen gl\u00fccklich. Denn alle Bewohner seines Dorfes haben den Hurrikan Sandy, der im letzten Oktober direkt \u00fcber die Insel hinwegraste, \u00fcberlebt. Nur Hunger mussten sie leiden. Wie relativ wird doch pl\u00f6tzlich alles.<\/p>\n

NB. Lust was Gutes zu tun? Hier: www.friendsofileavachehaiti.com<\/a><\/p>\n\n\t\t