Patata

2019-09-08T10:43:12+00:00 8 September, 2019|2019, Indonesia, Pasar Wajo|

“Patata”. So tönt es von überall her, wenn sie uns sehen.  «Paataataa». Beim Anlanden mit dem Dinghi am wackeligen Steg stehen sie schon da. Eine grosse Gruppe junger Studenten, welche uns umsorgen. Küssen uns mit einem kleinen Knicks die Hand, nehmen uns die Taschen ab, den Abfall, die Kanister oder was auch immer. Fahren uns mit ihren Rollern zur Bank, begleiten uns zum Markt, zum Mobile-shop, übersetzten von English auf Indonesisch wo notwendig, jeder Wunsch wird von unseren Lisen abgelesen. Und immer wieder rufen sie uns herzzerreissend «Paataataa» zu, uns so ein perfektes Rundumglücklich – Packet in Pasar Wajo liefernd.

Eine gute Woche verbringen wir hier. Eine schöne Ankerbucht ist es ja nicht wirklich. Zudem: Die eigens für uns vom Rally ausgebrachten Bojen beginnen beim leisesten Windhauch zu rutschen, der ebenso neu hin gebastelte schwimmende Dinghi – Dock wird bei auflandigen Wind lebensgefährlich, der Ankerplatz ist schauklig, der Ausflug zum Bitumen-Abbau ist langweiligste Tour meines Lebens. Doch dann tanzen die Studenten wieder um uns herum, rufen überglücklich «Paataataa». Und schon sind wir wieder begeistert vom Ort.

Allerorts werden Empfänge mit opulenten Buffets organsiert; beim Regierungspräsidenten am Unabhängigkeitstag, ein weiss betuchtes Gala Diner, oder auch spontan am Abend mit den Studenten. Wir nehmen auch an vielen anderen durchaus tollen Ausflügen teil; illegales Destillieren im Urwald (zu unserer Sicherheit ist die Polizei dabei), zu den webenden Frauen im Nachbardorf, zum gemeinsames Plastiksammeln am Strand („Plastic lives longer then you“; wirklich ein Riesenproblem hier in Indonesien), eine Kanu – Regatta mit locals und Seglern (die meisten kentern); und natürlich zum super Event, wegen dem wir an sich hier sind: 2000 Jugendliche tanzen gemeinsam anlässlich einer muslimischen Art von Kommunion.

Die sprachlichen und kulturellen Differenzen konditionieren stets die Möglichkeit des Verstehens. Die girls hier haben alle das Kopftuch auf, man küsst mir die Hand (was mir natürlich höchst peinlich ist), ich werde mit einem Rock zum Empfang beim Regierungspräsidenten eingekleidet und mein Indonesisch ist immer noch miserabel. Unsere Studenten sind da viel schneller. Beim ersten selfie sagen wir «Paataataa» (das sagt man in Spanien damit auf der Foto alle nett dreinschauen), und von dann an werden wir überall von ganzem Herzen so begrüsst. Das dies gar nicht Hallo sondern Kartoffel bedeuten, erklären wir erst beim tränenfliessenden Abschied von der Gruppe. Ist ja egal, Hauptsache wir verstehen uns.

 

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