Im Sturm

2020-03-22T20:59:27+00:00 22 März, 2020|2020, Barcelona, Malaysia|

Die Prognosen sind eindeutig. Welche Berichte wir auch konsultieren, sie lassen keinen Zweifel mehr zu. Lange war das nicht so klar, nun zieht aber definitiv ein grosses Sturmtief auf uns zu. Vielleicht dreht es noch im letzten Moment ab, oder alles wird nur halb so wild. Hoffentlich. Aber die Chancen, dass es direkt auf uns prallt, sind gross.

Leichte Nervosität macht sich breit. Die grauen Wolken am Himmel werden langsam dichter. Die See ist flach wie ein Spiegel, nur eine leichte, kühle Brise streicht mir gerade jetzt über die Wange. Ein Pelikan schwebt rhythmisch an uns vorbei, wohin? Ich gehe aufs Vorschiff, schaue ins Rigg. Alles klar? Da ist noch ein Split locker, und am Mastfuss sollte ich doch endlich diese Rolle ersetzen. Zurre noch ein Tau fest, und dort ein Bändsel. Imma ist unten, räumt den Navigationstisch auf. Ruhe, fast zu ruhig.

Zeit, dass wir uns Gedanken machen. Taugt unsere wunderschöne Bucht auch bei Sturm? Wenn Wind und Welle drehen und uns direkt auf die Nase hämmern? Wir wägen die Optionen ab. Bleiben wo wir sind? Bald schon wird es hier wohl ganz ruppig werden. Und die langen Spaziergänge am Strand werden auch nicht mehr möglich sein. Sollten wir besser ein paar Meilen um die Insel rum segeln, in die Bucht auf der windabgewandten Seite? Auch wenn die Passagen durch die Korallen gefährlich sein könnten? Oder besser hinaus auf die hohe See, da wo keine gefährlichen Riffs im Wege stehen, auf die Integrität der TUVALU vertrauend?

Nach dem Auslegen der Optionen und bevor wir eine Entscheidung treffen, sagt Imma wie immer: «Warten wir doch erst mal 10 Minuten zu». Aus dem Impuls hinaus zu entscheiden taugt selten. Zuwarten und nachdenken ist bei aller scheinbaren Dringlichkeit stets weise, haben wir nach all den Jahren auf Hochsee gelernt. Doch, dass wir handeln müssen, ist klar.

So haben wir vor einer guten Woche unsere strategische Entscheidung getroffen. Das weltweite Sturmtief wettern wir nicht eingeschlossen in unserer kleinen Wohnung in Barcelona ab, sondern wir verschieben uns in unser noch kleineres Mini – Häuschen im Priorat. Leben auf 4 x 4 Meter, aber mit zwei Hektaren Haselnuss bestücktem Land um uns herum. Wie auf der TUVALU, aber ohne Meer. Frische Luft und wenig Sozialkontakt, ohne die scheinbaren Annehmlichkeiten der grossen Stadt.

Auf uns selbst angewiesen und bezogen, eine kleine Welt ganz für uns alleine. Schöner könnte es doch kaum sein. Auch wenn wohl schon bald draussen der Wind dröhnt, der Regen peitscht und wir bei fürchterlichem Seegang halb seekrank versuchen wir das Schiff auf Kurs zu halten. Doch einmal entschieden, gilt es die Strategie beizubehalten.

Denn wir wissen, nach jedem Sturm kommt wieder die Flaute, nach jeder noch so düsteren Nacht geht irgendwann mal wieder die Sonne auf. Dann ist das Meer wieder flach wie ein Spiegel; Friede, Wärme und Behaglichkeit breiten sich erneut aus. Dann werden wir denken: Life is beautiful.

9 Comments

  1. Oscar Gil Montag, der 23. März 2020 um 03:04 Uhr - Antworten

    Me alegro de que estéis juntos, sanos y salvos.
    Los VagaMundo estamos a bordo, en confinamiento en Las Perlas.
    Esperando acontecimientos para ver qué haremos.
    Pero de momento el barco es lo que nos parece más seguro.

    Abrazos!!

  2. Martin Geilinger Montag, der 23. März 2020 um 09:02 Uhr - Antworten

    Wieder ein super Blog! Die Analogie ist bestechend.
    Auch wir haben unser „Schiff“ geprĂĽft und uns auf den Sturm eingerichtet. Unsere Herausforderung wird wohl sein, unsere Strategie durchzuhalten, auch wenn der Sturm nicht spĂĽr- und sichtbar ist, wenn die FrĂĽhjahrssonne lieblich scheint, Obstbäume blĂĽhen, die Vögelpfeiffen.

    • Hans Dienstag, der 31. März 2020 um 17:36 Uhr - Antworten

      jaja, aber es schneit hier!

  3. Renzo Montag, der 23. März 2020 um 10:45 Uhr - Antworten

    No estamos en el mismo barco, no es la mismo bahia, pero el viento y el temporal es exactamente el mismo, tambien aqui en la sierra de GraubĂĽnden.
    Un abbraccio (virtuale!) e buona fortuna a voi.
    R&D

    • Hans Dienstag, der 31. März 2020 um 17:37 Uhr - Antworten

      muchas gracias, alejado en el GraubĂĽnden me parece tambien buena opciĂłn! bx & abrazos

  4. Rosa Miranda Montag, der 23. März 2020 um 10:50 Uhr - Antworten

    Hans&Imma os estais volviendo unos poeta. Me alegra pensar que estais en terra firme. Aun que en espacio pequeño… Però segur. Disfruta de ESE campo de avellana y como no de vuestra compañia. Como tu bien dices saldra el sol i volvere os a la normalidad. De esto aprenderemos todos. Un abrazo muy grande y cuidaros mucho. Os queremos. Un saludo de Marci tambien.

    • Hans Dienstag, der 31. März 2020 um 17:39 Uhr - Antworten

      Hola Rosa Miranda, muchas gracias, como ves el campo tambiĂ©n inspira – no lo hubiera pensado :-)))) un abrazo grande

  5. MarĂ­a Carmen del Rio Montag, der 23. März 2020 um 19:43 Uhr - Antworten

    Me alegro mucho de que estéis a buen “resguardo”
    Un super abrazo de esta que os olvida, la ex del Pamalita

    • Hans Dienstag, der 31. März 2020 um 17:41 Uhr - Antworten

      Hola Maria Carmen, que alegrĂ­a leer tu comentario – !vaya años que ya han pasado desde que salimos de Garraf! CuĂ­date mucho & un abrazo grande. Hans & Imma

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darĂĽber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .